Der Eckstein des Handwerks : Der Meisterbrief

Der Eckstein des Handwerks : Der Meisterbrief

19 juillet 2016

Erklären Sie uns bitte den Meisterbrief im Handwerk. 

Um den Meisterbrief zu erklären, muss man zuerst die Ausbildung im Handwerk verstehen. Die Gesellenprüfung ist den meisten bekannt, jedoch gibt es im Handwerk noch weitere Qualifikationen. Zur Erstausbildung gehören das Berufsbefähigungszeugnis
(CCP Certificat de Capacité Professionelle), eine Qualifikation, welche in 35 Berufssparten angeboten wird. Das nächste Level ist das Diplom über die berufliche Reife (DAP Diplôme d’aptitude professionnelle). Wer dieses bestanden hat, hat ein Anrecht auf den qualifizierten Mindestlohn und kann sich für den Meisterbrief oder fürs Studium einschreiben. Darauf folgen das Technikerdiplom und der Meisterbrief. Dies ist die Referenzqualifikation um die zukünftigen Führungskräfte auszubilden. Der Meisterbrief wird in 34 Berufssparten angeboten. Auf den Meisterbrief folgt der „Brevet de technicien supérieur“, welcher im Bereich der Druckerei, Telekommunikation, Holz- und Metallarbeiten erhalten werden kann. Seit kurzem bieten wir ein „duales Studium“ zusammen mit der Uni Trier an, welches berufliche Ausbildung und Studium vereint.

Welche Rechte bringt der Meisterbrief mit sich?
Der Meisterbrief ist einer der wichtigsten Ecksteine im Beruf des Handwerkers. Die Person die den Meisterbrief erhalten hat, hat zwei Rechte: das Recht sich selbstständig zu machen und das Recht Lehrlinge auszubilden. Der Meisterbrief hilft einem aber auch, Karriere in einem Betrieb zu machen, Leute zu führen, mehr Verantwortung zu übernehmen. 

Wer hat Zugang zum Meisterbrief?
Seit zwei Jahren kann sich jeder, der mindestens die Gesellenprüfung bestanden hat, für den Meisterbrief einschreiben. So konnten wir die Meisterausbildung für alle Personen öffnen, die einen beruflichen Abschluss in einem Handwerk oder Beruf gemacht haben, der mindestens dem DAP/CATP entspricht. Des Weiteren haben wir über die letzten Jahre vermehrt festgestellt dass sich Quereinsteiger aus dem Banken- oder Versicherungssektor für den Meisterbrief interessieren. Deshalb mussten wir die Meisterausbildung an den Verlauf der Karrieren der Personen von heute anpassen und somit diese Änderung einführen. Nicht jeder, der gestern etwas gelernt hat, arbeitet auch heute noch in seinem gelernten Beruf. Wenn wir aber heute den Menschen, die in einem anderen Beruf arbeiten möchten, den Weg versperren, dann tragen wir dem Verlauf ihres Lebens nicht Rechnung. Wer sich also für den Meisterbrief einschreibt, der muss spezielle Vorbereitungskurse in den Bereichen „Berufsspezifische Fachtheorie“, „Organisation und Betriebswissenschaft“ sowie „Angewandte Pädagogik“ belegen und an den Examen teilnehmen. Das Examen besteht aus mehreren theoretischen sowie einem praktischen Modul. Die Zulassungsvoraussetzung
für das praktische Modul ist mindestens ein Jahr praktische Erfahrung im Beruf sowie die bestandenen berufsspezifische Module der Fachtheorie. Wer die Examen von sämtlichen Modulen bestanden hat, der erhält anschließend den Meisterbrief. 

Wie sind die Kurse gestaltet?
Die Fortbildung ist modular organisiert. Jedes Modul muss bestanden werden, um den Meisterbrief zu erhalten. Normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre, die maximale Dauer, um die Module zu bestehen, ist auf sechs Jahre festgesetzt. Die Kurse – welche in der der Regel abends und an den Wochenenden stattfinden – werden zwischen Ende September und März, die Examen während der Osterferien organisiert. Wer keine 80-prozentige Anwesenheit in den Modulen aufweisen kann, wird nicht zu
den Examen zugelassen werden. Die Kurse kosten 200 Euro pro Anmeldejahr für die Vorbereitungskurse und 100 Euro pro Prüfungstermin. Wer seine Examen besteht, beginnt im Herbst sein zweites Jahre. Wer seine Examen im Frühjahr nicht besteht, kann im Herbst die Examen wiederholen. Bei den Einschreibungen  haben wir zwei Szenarien: die Personen, die die Kurse besuchen müssen und die, die von den Kursen befreit werden können. Hat man mindestens ein Technikerdiplom aufzuweisen, kann man von der Teilnahme an den Kursen befreit werden, jedoch nie von den Examen.

Wie viele Neueinschreibungen konnten Sie letztes Jahr zählen?
Bei der Diplomüberreichung in diesem Frühjahr haben wir 120 Diplome überreicht. Neueinschreibungen konnten wir letztes Jahr um die 275 zählen. Ungefähr 700 Personen befinden sich momentan bei uns im System in allen Jahrgängen und Kursen zusammengenommen. Bei den Einschreibungen haben wir aber ein Sorgenkind. Das ist die Einschreibungsperiode, welche vom 15. Juni bis zum 15. August andauert. Im heutigen System können die Personen, die momentan die Gesellenprüfung ablegen, 
schnell den Einschreibungstermin verpassen, da sie erst in der ersten Hälfte August ihre Resultate erhalten. 

Was steht der Handwerkskammer noch bevor in Sachen Meisterbrief?
Momentan modernisieren wir die Inhalte der Module und passen sie an die heutigen Gegebenheiten an. In den letzten Jahren wurden so viele Änderungen in den verschiedensten Gesetzen und Verordnungen eingeführt, dass die Module einfach angepasst werden mussten. Der Meisterbrief wird momentan aber auch grundlegend reformiert. Es werden zum Beispiel neue Berufe definiert, welche wesentliche Elemente von verschiedenen traditionellen Berufen zusammenfassen.


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